15.04.2011 | Deutschland wird zur Nation der Fahrradfahrer

So lautete kürzlich die Überschrift eines Artikels in einer überregionalen Tageszeitung. Da reibt man sich doch hier in Saarbrücken verwundert die Augen und liest gespannt weiter. In Münster können die Radfahrer in einem Fahrradparkhaus parken, übrigens das größte in Deutschland. Aber hier werden auch mehr Fahrten mit dem Rad (38 Prozent) als mit dem Auto (36 Prozent) zurückgelegt. Richtig neidisch kann man als hiesiger Radfahrer werden, wenn man über die bundesdeutschen Grenzen blickt. In Dänemark werden 18 Prozent aller Wege per Pedal zurückgelegt, in Holland sind es sogar 27 Prozent. Während bundesweit der Trend zu den E-Bikes immer sichtbarer wird und auch Pendler zunehmend damit fahren, um nicht nass geschwitzt zur Arbeit zu kommen, bedeutet hierzulande „urbane Mobilität“ viele Autos und der Ruf nach immer mehr Parkplätzen. Das musste auch der „Neu-Saarländer“, der Moderator Manuel Andrack erfahren. Bald nach seinem Umzug von Köln ins Saarland wurde ihm klar, dass Auto und Führerschein hier einen „höheren Nutzwert“ hätten. In Köln sei ihm überhaupt nicht aufgefallen ist, dass er keinen Führerschein besitzt. Im Saarland angekommen hat er sich mit 45 Jahren schnell in die Riege der Autofahrer eingereiht.
Mein Traum beim Lesen des Artikels endete jäh, als mir bewusst wurde, dass nicht überall Münster ist. Hier dagegen sucht man, Journalisten wie Kommunalpolitiker, nach fadenscheinigen Argumenten, um die Stelle eines Fahrradbeauftragten für Saarbrücken zu streichen. Kein Thema für die meisten anderen Städte wie Köln, Aachen, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg usw.
Wieso wird hier bei diesem Thema so kurz gedacht? Sind wir hier provinzieller als die Menschen sonst wo?

Thomas Brück

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