08.04.2011 | Geschichtsunterricht aus erster Hand

Auschwitz, Holocaust, Antisemitismus: Die SchülerInnen der Gesamtschule Sulzbachtal wurden von einer Zeitzeugin informiert. Eva Pusztai aus Debrecen/Ostungarn war zu Gast. Hundert Jugendliche – mucksmäuschenstill. Lag es an der leisen Stimme der 85-jährigen oder an dem Thema? Sie erzählte von ihrem Leben als Jüdin in Ungarn zu Zeiten des Nationalsozialismus und ihrem Überleben. Bereits 1920 gab es in Ungarn das erste Anti-Juden-Gesetz. Als die Wehrmacht am 19. 3. 1944 Ungarn eroberte, begann der ungarische Holocaust. Bereits am 29. 4. lebten alle Juden in Ghettos. In nicht mehr als 6 Wochen wurden fast alle nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Von 437.000 Juden wurden 340.000 sofort getötet und verbrannt. Trotz dieses furchtbaren Ortes, trotz der Leichenberge, weil die Krematorien sie nicht fassen konnten, trotz ständiger Erniedrigungen war da noch ein starker Überlebenswille. Eva Pusztai traf auch in diesem schrecklichen Umfeld auf hilfreiche Menschen. Als Zwangsarbeiterin in einer Granatenfabrik in Allendorf/Hessen waren sie und die anderen Frauen täglichen giftigen Materialien ausgesetzt. Heute sagt sie: die menschliche Natur ist fantastisch. Nach ihrer Befreiung musste sie erst wieder lernen, angstfrei zu leben. Sie empfand Hass auf alle und alles. Dieses Gefühl hat sie überwunden und informiert heute junge Menschen über das Geschehene. Denn nur wer weiß, erkennt die Zusammenhänge und kann nicht so leicht manipuliert werden.
Sie selbst begann erst nach 60 Jahren über das Erlebte in Auschwitz zu sprechen. Ihre Anliegen: Wachhalten der Erinnerung, Stärkung Jugendlicher zum Aufbau einer angstfreien Gesellschaft, Streben, keinem ein Leid anzutun, Bereitschaft zu verzeihen.

Karin Burkart

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