21.03.2012 | Wir wollen kein französisches Fukushima

Rudyard Kipling verdanken wir den Satz: „Ihr könnt alle Welt eine kurze Zeit belügen. Ihr mögt auch ein paar Leute lange Zeit hindurch belügen. Aber ihr könnt auf keinen Fall alle Leute auf lange hin belügen.“ Auf die französische Energiepolitik trifft dieses Bonmot zu wie kein anderes. Ohne besserwisserisch zu sein fragen wir ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima, was haben unsere Nachbarn aus diesen Ereignissen gelernt. Der GAU in Japan hat doppelt soviel radioaktive Strahlung freigesetzt wie der Unfall in Tschernobyl, zigtausende Menschen mussten ihre Heimat verlassen, von den 54 Atomreaktoren Japans sind gerade mal noch eine Handvoll am Netz.
Mit ihren 58 Atomreaktoren hätte die französische Republik allen Anlass Lehren aus dem japanischen Reaktorunfall zu ziehen. 80 % des französischen Stroms kommt aus AKWs, die weder jünger noch moderner noch sicherer sind als die japanischen. Man will nicht erkennen, dass durch die große Dichte der AKWs auch die Wahrscheinlichkeit der Atomkatastrophe steigt. In den 50 Jahren, in denen man versucht die Atomtechnologie zu beherrschen, hat es unzählige Beinahunfälle und auch „richtige“ Unfälle gegeben. Rein statistisch gesehen muss man daher bei gleichbleibendem Bestand von AKWs mit der nächsten Katastrophe bis zum Jahr 2021 rechnen. Alle anderslautenden Annahmen beruhen auf dem Prinzip Hoffnung. Und noch was sollte uns beunruhigen: Unfälle ereignen sich v.a. bei großen Atomenergiestaaten. Dazu zählt Frankreich. Vielleicht war es einfach nur Glück, dass wir in der Nähe von Cattenom bisher von einem Unfall verschont blieben. Einmal Glück, immer Glück?
Es ist ein Drama, dass sich die französische Politik dieser Frage bisher nicht stellt.

Thomas Brück

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