05.03.2009 | Festival „Über Macht“

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? So lautet die Frage des Projekts „Die Gesellschafter“, das die Aktion Mensch im Frühjahr gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden und dem ZDF gestartet hat. Letzte Woche wurde das bundesweite Filmfestival „Über Macht“ im Filmhaus Saarbrücken eröffnet: In der Zeit vom 26.02.09 bis 25.03.09 werden im Saarbrücker Filmhaus die unterschiedlichsten Filme gezeigt, die sich mit der Ambivalenz der Macht auseinandersetzen. Dabei wird deutlich, dass es in einer sozialen Gesellschaft darauf ankommt, dass Chancen zur Teilhabe gerecht verteilt sind; dass diese nicht von Herkunft, Beziehungen oder Geld determiniert werden. Der Eröffnungsfilm, der auch noch mehrfach gezeigt wird, lautet: Ihr Name ist Sabine. Diesen ersten Film als Regisseurin hat Sandrine Bonnair ganz ihrer autistischen Schwester gewidmet. Sehr eindrücklich wird die Geschichte erzählt, wie Sabine, ursprünglich quirlig, kreativ und auf ihre ganz besondere Weise kompetent, in eine emotionale Krise stürzt und in die Psychiatrie eingewiesen wird. Die massive Behandlung mit Psychopharmaka verändert sie körperlich völlig und nach 5 Jahren sind ihre kreativen Fähigkeiten und ihre persönliche Ausdruckskraft nahezu zerstört.„In welcher Gesellschaft wollen wir leben“ ist daher eine Fragestellung, die nicht oft genug gestellt werden kann. Bei allen Diskussionen im Vorfeld der Kommunalwahl steht daher für uns die Frage im Vordergrund: Wie kann Saarbrücken eine Stadt für wirklich alle werden, in der jede und jeder so leben kann, wie sie oder er ist. Dabei gilt es besonders, bei denjenigen hinzuschauen, die ausgegrenzt werden und denen keine Wahlmöglichkeiten eröffnet werden. Denn jeder Mensch ist einzigartig und niemand in erster Linie behindert. Jeder hat seine Träume, Schwächen und Stärken, jeder den Wunsch, sich als wertvoll zu erfahren. Dazu ist es notwendig, im Alltag, in der Öffentlichkeit und auch in der Politik die Machtfrage zu stellen, Strukturen aufzubrechen um die Welt ein Stück weit zu verändern.

Claudia Willger-Lambert

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