31.10.2013 | Saarbrücken hat einen neuen Platz

Mit unterschiedlichen Gefühlen sehen wir dem kommenden 9. November entgegen. Denn für viele ist dieses Datum mit schrecklichen Erinnerungen besetzt und für die jüngere Generation hoffentlich Anlass, inne zu halten und sich zu informieren.
Die Reichskristallnacht oder Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 diente dem Naziregime dazu, gelenkte Gewaltmaßnahmen im gesamten Deutschen Reich gegen die jüdische Bevölkerung zu organisieren. Menschen wurden ermordet, Wohnungen geplündert, Synagogen, Betstuben und Versammlungsräume zerstört, jüdische Friedhöfe verwüstet und das Signal gegeben, die Juden systematisch zu verfolgen. Die Novemberpogrome läuteten alle kommenden weiteren Schritte zum Holocaust ein. Die Verbrechen vom November 1938 waren einer der Meilensteine auf dem Weg zur Shoa, dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas.
Um ein Vergessen zu verhindern, gedenken wir jährlich dieser Ereignisse. Deshalb wird am 12. November der Rabbiner-Rülf-Platz eingeweiht. Ein würdiges und passendes Datum für diesen neuen Platz. Denn bis heute gibt es im Saarland keine zentrale Gedenkstätte, die an die ermordeten saarländischen Juden – vermutlich 1.200 Menschen – erinnert. Diese Lücke wird mit dem Mahnmal „Der unterbrochene Wald“ auf dem Rabbiner-Rülf-Platz geschlossen. Nach unserer Meinung ist dieses geeignet als Erinnerungswald ein dauerhaftes Zeichen für die durch NS-Gewaltherrschaft ermordeten Juden zu setzen. Deshalb haben wir uns frühzeitig und deutlich für diesen zentralen Ort als Erinnerungsform ausgesprochen: Erinnerung an den Holocaust darf nicht in eine stille Ecke abgeschoben werden, sie gehört mitten ins Leben und mitten auf diesen Platz.

Karin Burkart

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