28.09.2010 | Für eine verantwortungsvolle Stadtpolitik

Die SaarländerInnen tun sich zuweilen schwer, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Leider verleidet dieses Nichthinsehen gelegentlich zu eigentümlichen Irritationen. Wie dem, dass „Wir“ im Saarland doch in den großen Fragen der Politik im Prinzip „eins“(im Sinne von einig) seien. Dass man hierzulande gesellschaftliche Widersprüche nicht kenne, dass bei „uus“ alles doch so ganz anderes sei wie im übrigen Deutschland. Jüngst ist diese Binnensicht wieder deutlich geworden, bei der Frage der ökonomischen und städtebaulichen Weiterentwicklung des Nauwieser Viertels.
Einige wollen in dieser Auseinandersetzung partout nicht wahrhaben, dass die Stadt dort, wo das freie Spiel des Marktes wirkt, eine Wächterinfunktion wahrzunehmen hat. Und zwar für ein geordnetes und gedeihliches Leben für alle BewohnerInnen.
Auch wenn in der politischen Diskussion der ein oder andere deftige Ausdruck fällt, die Mitakteure müssen das aushalten können. Denn es bleibt die Wahrheit, dass verantwortliche Kommunalpolitik Obacht geben muss, dass in den nächsten Jahren die soziale und kleingewerbliche Struktur im Viertel erhalten bleibt. Was man wirklich nicht braucht, sind überteuerte Luxussanierungen, die den angestammten AnwohnerInnen die Luft zum Atmen nehmen. Dies kann zu Zielkonflikten führen, wenn ökonomische auf soziale Interessen stoßen. Diese Konflikte, so sie denn kommen, muss eine Stadtgesellschaft aber aushalten, wenn sie eine Stadt für Alle sein will. Auf diese Entwicklung rechtzeitig hinzuweisen ist unsere Aufgabe.
Denn nur in einer offen ausgetragenen Diskussion werden sich die bürgerschaftlichen Interessen durchsetzen und die ökonomischen sich diesen unterordnen. Daran ist mir sehr gelegen.

Thomas Brück

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