21.05.2008 | Armutsbekämpfung

Der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung ist alarmierend. Auch im Saarland und bei uns in Saarbrücken gibt es eine Menge Menschen, die im sozialen Abseits leben müssen. Wir setzen uns schon lange für eine wirksame Armutsbekämpfung ein, die unserer Ansicht nach bereits im Kindes- und Jugendalter beginnen muss. Denn die Sicherstellung von Teilhabemöglichkeiten an Bildung und gesellschaftlichen Aktivitäten ist ein ganz wichtiger Schritt zur Armutsprävention. Teilhabegerechtigkeit und Chancengleichheit können überhaupt nur vorliegen, wo auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen ein gerechter Zugang zur Schlüsselressource Bildung gewahrt wird. In Malstatt und in Alt-Saarbrücken gibt es seit mehr als fünf Jahren so genannte „Modellprojekte zur Bekämpfung der Auswirkungen von Kinderarmut“, die mit innovativen Konzepten in diesem Bereich eine wertvolle Arbeit leisten. Beide Projekte sind vor Ort in den Schulen, Kindergärten und sozialen Einrichtungen bekannt und stellen daher keine Fremdkörper da. Die Projekte arbeiten sozusagen als Frühwarnsystem, da bei ihnen viele Informationen zusammenlaufen. Viele Familien konnten durch die engagierte Arbeit der Armutsprojekte mit der Jugendhilfe in Kontakt gebracht werden. In Alt-Saarbrücken haben die MitarbeiterInnen des Projekts nach Auskunft der Träger Kontakt zu 60 Kindern und ihren Eltern. Das Kinderhaus Malstatt betreut 30 Mädchen und Jungen. Wie die Träger berichten, haben sich durch die Unterstützung der Projekte bei zwei Drittel der betreuten Kinder die Schulleistungen verbessert. Die Tage, an denen Schülerinnen und Schüler im Unterricht fehlen, seien deutlich gesunken. Wir kämpfen seit zwei Jahren für eine langfristige Sicherung der Projekte, die von Landesregierung und Regionalverband finanziert werden. Denn Sozialprojekte dürfen nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Da frühkindliche Bildung für Chancengerechtigkeit unverzichtbar ist, brauchen wir außerdem dringend flächendeckend echte Ganztagsgrundschulen mit einem qualitativ hochwertigen Betreuungskonzept.

Claudia Willger-Lambert

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