10.03.2008 | Frauentag

Der Anspruch an Demokratie ist es, dass Frauen und Männer tatsächlich gleiche Chancen in allen Lebensbereichen haben und ihr Leben entsprechend gestalten können. Leider haben wir hier noch ganz erheblichen Handlungsbedarf. Darauf hat der Weltfrauentag in beeindruckender Weise aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt der vielfältigen und gut besuchten Veranstaltungen stand das Thema Arbeit und die eigenständige Existenzsicherung. Der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern ist im Saarland noch höher als im Bundesdurchschnitt. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten im Niedriglohnbereich im Saarland sind Frauen. Führungspositionen in der Wirtschaft nehmen im Saarland hingegen zum allergrößten Teil Männer für sich in Anspruch. Wir brauchen daher dringend verbindliche Regelungen zur Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit auch in der Privatwirtschaft. Beim Vergaberecht müsste Gleichberechtigung auf jeden Fall ein Zuschlagskriterium werden. Jeder sechste Euro wird durch öffentliche Aufträge ausgegeben. Wir wollen, dass Unternehmen, die einen öffentlichen Auftrag von der Stadt oder vom Land bekommen wollen, Gleichstellungsmaßnahmen in ihrem Unternehmen belegen müssen, z.B. durch ein Zertifikat, mit dem sie Maßnahmen zur Angleichung der Löhne, zur Führungskräfteförderung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachweisen. Durch konsequentes Gender Mainstreaming müssen in allen Politikbereichen die Entscheidungen staatlichen Handelns daran gemessen werden, ob sie zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führen. Ebenso ist bei allen Maßnahmen und beim Ausgeben öffentlicher Gelder zu überprüfen, ob Männer und Frauen hiervon unterschiedlich profitieren. Dieses Ziel kann durch Gender Budgeting erreicht werden. Auf unserem Parteitag haben wir diese Forderungen in einer Resolution entsprechend bekräftigt. Geschlechtergerechtigkeit ist eine sehr schwierige Aufgabe: obwohl sie seit Anbeginn im Grundgesetz verankert ist, gibt es noch viel zu tun.

Claudia Willger-Lambert

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