08.10.2008 | Reiterdenkmal Wilhelm I.

Ja, hat man die denn mit dem Klammersack gepudert?

Die CDU. Erst initiieren sie großmaulig eine Offensive zur Frankreichnähe. Eine im Kern lobenswerte Sache, leider völlig falsch angepackt. Dann diese Geschmacklosigkeit:

die CDU Saarbrücken plant die Aufstellung des Reiterdenkmals zu Ehren Kaiser

Wilhelm I. von Preußen. So jedenfalls bespielt sie ihren Antrag zur Katalogisierung ehemaliger Denkmale in Saarbrücken. Demnach seien viele Denkmäler aus der Stadt verschwunden u.a. dieses Reiterdenkmal.

Ist das denn so bedauerlich? Ich finde: Nein!

Wilhelm I., Kaiser des deutschen Reiches (1871 – 1888) war Erzmilitarist und seit seiner Zeit als Prinzregent ein Scharfmacher. So einer kann heute für eine aufgeklärte Gesellschaft kein Vorbild mehr sein. Nicht nur dass er im Gefolge der bürgerlich-liberalen Revolution vom März 1848 mit der preußischen Militärmaschine im Badischen und in der Pfalz die erkämpften Freiheiten niederkartätschte; für sein „neues“, monarchistisches „Teutschland“.
Als wäre dem nicht genug, entstammte seine Geisteshaltung einem fragwürdigen zeitgeistigen Historizismus germanophiler Überheblichkeit. Gespeist aus einem Königtum, eingesetzt von „Gottes Gnaden“ (!).

Diesem Potentaten in der „französischsten Stadt Deutschlands“ ein Denkmal wiederzuerrichten (und sei es nur eine Absicht) kann man doch nur als schlechten Witz abtun. Ein fragwürdiger deutscher Monarch, der Krieg gegen Frankreich führte, und nicht etwa bloß gegen das napoleonische Frankreich in seiner Repräsentanz, sondern gegen die französische Nation; so einer taugt nicht als Vorbild.
Nicht nur dass Wilhelm und seine Deutschen Elsaß – Lothringen aus dem französischen Staatsgebiet herausbrachen/oder für’s Reich erkämpften(?); verlangte man für den Krieg noch Milliarden an Reparationen von Frankreich. Ein König von Preußen, der sich nicht entblödete die französische Nation zu demütigen, indem er sich im Versailler Schloss zum deutschen Kaiser(sic) ernennen ließ.

Ein solcher Kasernenkönig ist unserer Stadt unwürdig.
Vive la République!

Thomas Brück

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