28.05.2010 | Radfahren kann gelernt werden

Hearing der grünen Stadtratsfraktion zur Verbesserung der Radförderung
Saarbrücken ist noch keine Fahrradstadt und liegt mit einem Anteil von 3-4% Radverkehr am hinteren Ende der bundesdeutschen Städte. Deshalb veranstaltete die grüne Stadtratsfraktion ein Hearing zum Thema „Zwischen Radfrust und Radlust. Die grüne Verkehrswende für Saarbrücken ist machbar“. Wie soll und kann das gehen, welche Hindernisse gibt es dabei zu überwinden und was wurde bisher in Sachen Radfahren in Saarbrücken schon getan? Darüber diskutieren ca. 50 interessierte BürgerInnen mit Fachleuten aus Verwaltung, Politik und Interessensverbänden.
Johannes Schell, der sich im Stadtplanungsamt in Karlsruhe um die Radförderung kümmert, stellte den Weg vor, den Karlsruhe zur jetzigen Fahrradstadt gegangen ist und machte allen Mut, dass dies auch in Saarbrücken gelingen kann. Beispiele aus Dänemark und den Niederlanden zeigten auf, dass Radfahren nicht „genetisch“ bedingt sondern das Ergebnis einer konsequent umgesetzten Radpolitik sei.
Der Umweltdezernent Kajo Breuer zeigte an Maßnahmen und konkreten Projekte wie das Radfahren in Saarbrücken z.Z. gefördert wird, wie z.B. der neue Radweg in der Dudweiler Straße. Es müsse aber noch wesentlich mehr getan werden, insbesondere müsse der breite politische Wille sowie eine gesellschaftliche Akzeptanz geschaffen werden. Denn ohne diese Zustimmung werden Radwege weiterhin zugeparkt. Deutlich sichtbar in Saarbrücken in der Bleichstraße.
Thomas Fläschner vom ADFC Landesverband Saarland verwies auf das zusammen mit dem ADFC erstellte Veloroutenkonzept für Saarbrücken.
Der baupolitische Sprecher der Fraktion Guido Vogel-Latz bestätigte, dass es an Planungen und Konzepten für eine bessere Radpolitik in Saarbrücken nicht mangele. Es gäbe allerdings ein Umsetzungsproblem. Deutlich würde dies auch am geplanten Fahrradverleihsystem, hier sei man nach 2 Schritten stehen geblieben.
Aber neben der verbesserungswürdigen Infrastruktur müsse sich vor allem etwas in den Köpfen der Menschen ändern. Darin waren sich Fachleute und Publikum einig. Um die Menschen vom Radfahren zu überzeugen, reichten Argumente, die nur an die Vernunft appellieren, nicht aus. Hier könne man einiges von der Werbung für das Autofahren lernen. Es ginge vielmehr um ein Lebensgefühl und die Erfahrung, dass Radfahren Spaß macht.
Der umweltpolitische Sprecher der grünen Stadtratsfraktion Jürgen Meyer, der die Veranstaltung moderierte, fasste die Ergebnisse zusammen: Saarbrücken braucht neue Radwege und gute, überdachte Abstellmöglichkeiten genau so wie ein Fahrradverleihsystem. Für eine Imagekampagne ist eine umfangreichere Öffentlichkeitsarbeit dringend notwendig sowie Aktionen, die zum Mitmachen einladen wie Sternfahrten oder auch Neubürgerradtouren mit Kommunalpolitikern.

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