11.10.2005 | Quenta soll bleiben

Grüne wollen in einer Sondersitzung Resolution für Gorillaweibchen verabschieden

Die Grünen im Saarbrücker Stadtrat setzen sich dafür ein, dass die 14-jährige Gorilla-Dame Quenta nicht nach China abgeschoben wird. Aufgrund der Dringlichkeit haben sie den für den Zoo zuständigen Kulturdezernenten Walter Schwarz-Paqué gebeten, so schnell wie möglich eine Sondersitzung des Werksausschusses ZGS einzuberufen. Dort wollen die Grünen eine Resolution einbringen, um den Transport von Quenta zum Zoo Shanghai zu verhindern. Der Stadtverordnete Karl-Heinz Guggenberger erklärt hierzu: „Es ist unglaublich, dass wir aus der Presse vom geplanten Transport des Gorilla-Weibchens erfahren haben und der zuständige Ausschuss zu diesem wichtigen Thema nicht gehört wurde.“ Scharfe Kritik übt Guggenberger in diesem Zusammenhang an Zoodirektor Dr. Vazlav Ceska: „Dass der Zoodirektor nicht mit Zahlen umgehen kann, hat man am Jahresabschluss gesehen. Dass er aber auch mit Tieren nicht umgehen kann, zeigt sich daran, dass er nicht versucht, den Transport von Quenta in den Zoo Shanghai, wo den Gorilla katastrophale Lebensbedingungen erwarten, zu verhindern, sondern sich hinter dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm versteckt.“ Da sich Quenta in Saarbrücken nicht fortpflanze solle sie im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms an den Zoo Shanghai abgegeben werden. Dies sei von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife aufgrund der schlechten Zustände im Zoo Shanghai bereits scharf kritisiert und Ceska in einem offenen Brief mitgeteilt worden. Guggenberger hierzu: „Wir sind der Meinung, dass Artenschutz auch bedeutet, jedes einzelne Tier einer bedrohten Tierart zu schützen. Quenta nach Shanghai abzuschieben, nur weil sie sich in Saarbrücken nicht vermehrt, ist ein Skandal und spricht für eine Wegwerfmentalität, die wir nicht akzeptieren. Außerdem werden die schlechten Lebensumstände in China sich ganz sicher nicht positiv auf den Fortpflanzungswunsch des Gorillas auswirken.“ Wenn es wirklich um die Fortpflanzung einer bedrohten Tierart ginge, dürfe der Gorilla höchstens an einen Zoo in einem Land der Europäischen Union abgegeben werden, da es nur dort entsprechende Tierschutz-Vorschriften gebe. Die Grünen kritisieren außerdem den „Tauschhandel“ zwischen den Zoos. Guggenberger hierzu: „Quenta aus Saarbrücken und die Gorillas Bokito aus Berlin und Astra aus Holland werden über Rotterdam als offizielles ‚holländisches Staatsgeschenk’ an den Zoo Shanghai weitergeschickt. Der Rotterdamer Zoo soll dafür nach Auskunft von Pro Wildlife einige hochbedrohte und nur in China lebende Gold-Stumpfennasenaffen erhalten, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden, damit der Rotterdamer Zoo als erster europäischer Zoo mit dieser lebenden Rarität werben kann.“ Shanghai sei schon einmal die Endstation eines Gorillas, den man in Saarbrücken nicht mehr gebrauchen konnte, gewesen. Guggenberger dazu: „Der Gorilla Bullermann, der in Saarbrücken nicht für Nachwuchs sorgte, landete nach einer langen Odyssee über Heidelberg, Hannover, Rotterdam und Singapur in Shanghai, wo er seit 11 Jahren in Einzelhaft in einem Käfig sitzt, der ihm kein artgerechtes Leben ermöglicht. Dieses Schicksal wollen wir Quenta ersparen.“

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