12.10.2005 | Schicksal von Quenta ist Werkleitung keine Sondersitzung wert

Grüne üben erneut scharfe Kritik an Zoodirektor Ceska

Auf Unverständnis stößt bei den Grünen im Saarbrücker Stadtrat ein Schreiben des für den Zoo zuständigen Kulturdezernenten Walter Schwarz-Paqué, in dem er mitteilt, dass er „aus Sach- und Kostengründen“ auf eine Sondersitzung zur Abgabe des Gorillas Quenta an den Zoo Shanghai verzichten möchte. Da es sich bei Quenta um eine „Zuchtleihgabe“ handele, dürfe der Werksausschuss nicht über die Abgabe des Gorillaweibchens entscheiden. Darauf beruft sich Zoo-Direktor Dr. Vaclav Ceska in einem Informationsschreiben an Schwarz-Paqué, das dieser den Grünen weitergeleitet hat. Fraktionsgeschäftsführerin Tina Schöpfer erklärt hierzu: „Dafür haben wir kein Verständnis. Es ist zwar korrekt, dass Quenta dem Zoo Saarbrücken nicht gehört. Dennoch befindet sich das Tier derzeit in seiner Obhut und damit trägt er auch die Verantwortung. Bei einer solch folgenreichen Entscheidung wie im Falle von Quenta, bei der äußerst negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Tieres zu erwarten sind, muss der Werksausschuss ZGS unserer Meinung nach informiert werden.“ Da der Zoo städtische Zuschüsse erhalte, hätten die Grünen ein berechtigtes Interesse daran sicherzustellen, dass diese zum Wohle der Tiere eingesetzt werden. Dies gelte auch für so genannte „Zuchtleihgaben“. In diesem Zusammenhang werfen die Grünen Zoodirektor Vaclav Ceska erneut Verantwortungslosigkeit vor. Schöpfer hierzu: „Herr Ceska darf sich nicht hinter dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) verstecken und sich darauf berufen, dass Quenta nur eine ‚Leihgabe’ ist. Diese Argumentation ist absurd. Dann kann man auch sagen, der Gorilla braucht nicht gefüttert und gepflegt zu werden, denn er ist ja nur eine Leihgabe. Wenn ich für ein Tier Verantwortung trage, dann muss ich mich doch auch darum kümmern, was es erwartet, wenn es in einen anderen Zoo kommt.“
Die Grünen wollen nun erreichen, dass der Umgang mit Quenta Thema in der nächsten regulären Ausschusssitzung ZGS am 10. November wird und haben sowohl den Kulturdezernenten Schwarz-Paqué als auch Zoodirektor Ceska gebeten, bis dahin den Abtransport des Gorillas zu verhindern und beim Frankfurter Zoodirektor Dr. Christian Schmidt, der im Rahmen des EEP für den Austausch der Flachlandgorillas zuständig ist, zu intervenieren, um noch einmal alle Möglichkeiten gewissenhaft und sorgfältig im Sinne des Tierschutzes zu prüfen und eine bessere Lösung zu finden. Dies könnte z.B. die Abgabe an einen anderen Zoo innerhalb der Europäischen Union sein. Schöpfer dazu: „Wenn die Abgabe Quentas gar nicht zu verhindern ist und es den Verantwortlichen wirklich um die Fortpflanzung einer bedrohten Tierart geht, dann darf Quenta höchstens an einen Zoo in einem Land der Europäischen Union abgegeben werden, da es nur dort entsprechende Tierschutz-Vorschriften gibt. Die Zustände im Zoo Shanghai werden sich sicherlich nicht positiv auf den Fortpflanzungswunsch des Gorillas auswirken. Im Gegenteil: Quentas Gesundheit ist dort sehr bedroht. Ein verantwortungsbewusster Artenschutz muss unserer Ansicht nach auch dafür Sorge tragen, dass einzelne Tiere einer Art geschützt werden.“

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