07.07.2005 | Wahlfreiheit für die Verkehrswende

Grünes Hearing mit Lösungsansätzen für optimale Mobilität

Vier Referate zum Thema Verkehrspolitik standen beim zweiten Grünen Hearing der grünen Stadtratsfraktion, an dem rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger teilnahmen, am letzten Montag in der Stadtgalerie auf dem Programm. Dr. Peter Häckelmann, Verkehrsplaner im Stadtplanungsamt Saarbrücken, berichtete über den neuesten Stand des Verkehrsmanagement Saarland und entwarf verschiedene Szenarien für die Verkehrsentwicklung in Saarbrücken. Der Vorstandssprecher des ADFC Saar, Thomas Fläschner, machte deutlich, wo es im Saarbrücker Radwegesystem hakt. Er bemängelte insbesondere die Diskrepanz zwischen der Förderung des Radtourismus auf der einen und eines spärlich ausgebauten Alltagsradwegenetzes auf der anderen Seite. Die CDU zeige ein widersprüchliches Verhalten. Während der Abgeordnete Martin Karren im Landtag für ein saarländisches Alltagsradwegenetz stimme, sei er als Fraktionsvorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion maßgeblich an der Streichung des Fahrradetats beteiligt und reagiere nicht auf einen Gesprächswunsch des ADFC. Der verkehrspolitische Sprecher der grünen Stadtratsfraktion, Guido Vogel, erklärt hierzu: „Dieses Verhalten ist uns bekannt, aber nicht nachvollziehbar. Im Gegensatz zur CDU vertreten wir in Stadt und Land einheitliche Positionen. Im Landtag haben wir als erste Fraktion einen Antrag für ein alltagstaugliches Velo-Konzept für das Saarland eingebracht, der bei Enthaltung der CDU einstimmig verabschiedet wurde.“ Auf die Vorteile von CarSharing machte Roland Jahn, Geschäftsführer von cambio Aachen und Saarbrücken, aufmerksam. Mit CarSharing sei Autokomfort gezielt und flexibel einsetzbar, kostengünstig und weniger umweltbelastend zu haben. Wer kein eigenes Auto besitze, überlege sich gut, für welche Fahrten er sich ein Auto miete und welche Wege er zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklege. Hemmnisse für CarSharing in Saarbrücken seien u.a. die Autofreundlichkeit der Stadt, die sich an der großen Anzahl von Parkplätzen zeige, und die im Vergleich zu anderen Städten geringe Nutzung von CarSharing durch Ämter und Behörden. Heiner Monheim, Professor für Angewandte Geographie/Raumentwicklung und Landesplanung plädierte für eine Entideologisierung der Verkehrspolitik orientiert an der Logik der Effizienzsteigerung. Monheim will in der Verkehrspolitik außerdem die Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen. In den Niederlanden gäbe es z.B. ein Gesetz, das Betriebe mit mehr als 50 MitarbeiterInnen veranlasst, so genannte betriebliche Mobilitätskonzepte aufzustellen, in denen sie Lösungen für die Verkehrsprobleme rund um ihre Firmenstandorte entwickeln. Fraktionsgeschäftsführerin Tina Schöpfer zur Veranstaltung: „Wir haben viele interessante Beiträge gehört, die wieder einmal klar gemacht haben, dass optimale Mobilität nur mit intelligenten, flexiblen und vernetzten Verkehrsmitteln erreicht werden kann. Dafür werden wir uns weiter stark machen.“

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