03.07.2010 | Rede des Fraktionsvorsitzenden Thomas Brück anlässlich der Kundgebung und Demonstration in Gedenken an Max Braun

Liebe Freundinnen und Freunde,

schön, dass wir uns heute hier versammeln um einen Mann zu ehren, an dessen Wirken auch 65 Jahre nach seinem Tod in Saarbrücken so wenig erinnert.
Viel zu wenig.
Ich war in den 80ger Jahren einer der Gründer des ersten und einzigen selbstverwalteten Bildungszentrums im Saarland. Unser Bildungshaus in Nunkirchen war vormals im Besitz der Familie Grandmontage aus Saarbrücken. Der Patriarch der Familie, eine andere Bezeichnung der Person Heinz Grandmontagnes wäre sicherlich unangemessen, war ein alter SPS’ler.
Jener Partei, die den Status Quo des Saargebietes auf ihre Fahnen geschrieben hatte.
Herr Grandmontage überließ uns in seinem Haus ein Porträtgemälde von Max Braun, den er mit aufrichtiger Bewunderung verehrte.
Wir hatten das Bild an einem allzeit zugänglichen Platz in unserem Haus hängen. Weil auch wir uns an das Bildungsideal anlehnten, wie es Max Braun verkörperte.Nach Auflösung des Bildungszentrums haben wir das Porträt mit Zustimmung der Familie Grandmontage der Bildungseinrichtung der Falken in Steinberg – Deckenhardt übergeben.
Ich denke, dort hat es auch noch heute einen ihm gebührenden Platz.

Aber was erinnert in Saarbrücken an Max Braun? Diesen verdienstvollen und aufrechten Kämpfer gegen den Nationalsozialismus und Anhänger der universellen Menschenrechte.
Leider nicht viel.
Eine kleine Straße in St. Johann. Weit abgelegen vom Zentrum. Direkt neben einer Straße mit Namen Richard Becker.
Apropos dieser Herr Becker ist Ehrenbürger Saarbrückens. Diese Ehrenbürgerschaft wurde ihm etwa zur gleichen Zeit vom Stadtrat verliehen als der Rat die Großherzog-Friedrich-Straße umbenannte, die unmittelbar nach dem Krieg in Max Braun Straße getauft worden war.
Ebenfalls „verliehen“ wurde diesem Herrn Becker die Stadtratswürde. Becker wurde nicht gewählt, er wurde ernannt (!), und zwar 1935 von Adolf Hitler; ob seiner „Verdienste“ um die erste Saarabstimmung.
Max Braun hingegen ist kein Ehrenbürger Saarbrückens. Alt Nazi Becker schon.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen hier öffentlich an die FDP zu appellieren mit diesem traurigen Erbe ein Ende zu machen.
„Brechen Sie mit diesen Traditionslinien und bekennen Sie, dass ihr seinerzeitiger Ehrenvorsitzender nicht als Vorbild einer demokratischen Partei dienen kann!“
(Ob er heute immer noch Ehrenvorsitzender ist, entzieht sich meiner Kenntnis.)

Nicht nur, dass dieser Altnazi im Straßenbild neben den Antifaschisten gesetzt wird, nein, es gibt dort auch noch ein gemeinsames Hinweisschild mit den Nennung beider Namen. Zumindest die Trennung dieses mehr als unsensiblen Schildes sollte schnell möglich sein.

Weil Max Braun so wenig öffentliche Anerkennung widerfahren ist, haben wir letztes Jahr im rot-rot-grünen Bündnisvertrag eine Verpflichtung aufgenommen, die wie folgt lautet:
„ In Erinnerung an den früheren SPD Vorsitzenden und Antifaschisten Max Braun wird an der heutigen Großherzog-Friedrich-Straße eine Gedenktafel aufgestellt.“

65 Jahre nach seinem Tod ist es höchste Zeit dies zu tun.

Ich will noch auf einen anderen Aspekt in unserer Bündnisvereinbarung hinweisen.
Auf das Bestreben der grünen Ratsfraktion geht es zurück, dass wir bei der Neugestaltung des Bereiches Berliner Promenade, mit der Neuschaffung des „Rabbiner- Rülf- Platzes“ gleichzeitig öffentlich an die von den Nazis ermordeten Saarbrücker Bürger/innen jüdischen Glaubens erinnern werden.
Herr Schlomo Rülf war der letzte Rabbiner Saarbückens vor der Machtübernahme der Nazis.
Er hat, Gott sei Dank, den Holocaust im britischen Mandatsgebiet/Israel überlebt.
Es sei mir erlaubt auf seine Lebenserinnerungen „Ströme in dürrem Land“ hinzuweisen.
Rabbiner Rülf hatte sich engagiert beim Völkerbund in Genf für den Schutz der saarländischen Juden nach der Saarabstimmung. Er wusste, was den 6.000 Juden drohte, wenn die Abstimmung verloren ginge. Rabbiner Rülf hegte im Vorfeld die schlimmsten Befürchtungen und hat ja Recht behalten. Er sah v.a. im Versagen der kath. Kirche, die demokratischen Kräfte zu stärken, den Grund für das desaströse Ergebnis am 13.Januar 1935: die Saarländer entschieden sich mit überwältigender Mehrheit für Adolf Hitler.

Auf diesem Platz sollen in angemessener Form die Namen der ehemaligen Saarbrücker Bürger/innen jüdischen Glaubens aufgezeigt werden. Dies soll in enger Abstimmung mit der Synagogengemeinde geschehen.
Wir sind guter Dinge, dass uns die Realisierung in dieser Legislatur noch gelingt.

Ich denke, dass dieses Erinnern auch bei einer Gedenkfeier zu Ehren von Max Braun seinen Platz und seine Berechtigung hat.
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit

Und zum Abschluss noch ein Spruch:
Genossen, haltet die Saar…???

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