12.01.2006 | Belange der AnwohnerInnen ernst nehmen

Grüne wollen Interessenausgleich zwischen Drogenhilfezentrum und AnwohnerInnen

Die Grünen im Saarbrücker Stadtrat sprechen sich für den Erhalt des Drogenhilfezentrums (DHZ) in der Brauerstraße aus und wollen die Situation der AnwohnerInnen verbessern. Die gesundheitspolitische Sprecherin Karin Burkart erklärt hierzu: „Da kein anderer Standort für das Drogenhilfezentrum in Sicht ist und es daher auch längerfristig in der Brauerstraße bleiben wird, brauchen wir ein Konzept, wie die Probleme, die dadurch für die AnwohnerInnen entstehen, gemildert werden können.“ Verständnis haben die Grünen für beide Seiten. Einerseits leiste das Drogenhilfezentrum eine wichtige Überlebens- und Ausstiegshilfe, worüber sich die Fraktionsmitglieder Karin Burkart und Guido Vogel vor Ort ausführlich informiert haben. Burkart hierzu: „Qualifizierte Sozialarbeiter stellen umfassende Therapieangebote zur Verfügung. Täglich werden außerdem weit mehr als 1000 Spritzen getauscht, wodurch Infektionskrankheiten wie Hepatitis und Aids zurückgedrängt werden. Das belegt die im bundesweiten Vergleich niedrige Aids-Infektionsrate.“ Außerdem habe das Drogenhilfezentrum eine ordnungspolitische Funktion, indem es dafür sorge, dass es keine offene Drogenszene wie früher z.B. am Max-Ophüls-Platz mehr gebe.
Andererseits verstünden die Grünen auch die Anliegen der AnwohnerInnen in der Umgebung des Drogenhilfezentrums. Hier seien dringend Maßnahmen erforderlich, um die Wohnqualität zu erhöhen bzw. wiederherzustellen. Erste Maßnahmen habe das Drogenhilfezentrum mit dem Projekt „Sauberes Umfeld Drogenhilfezentrum“ im März letzten Jahres gestartet. Wie DHZ-Mitarbeiter mitteilten, werden dreimal täglich in verschiedenen Bezirken von einem Mitarbeiter des DHZ und Klienten Müllsammelaktionen durchgeführt, zu denen sich die Klienten freiwillig melden können und wofür sie einen Stundenlohn von 1,50 Euro und eine warme Mahlzeit erhalten. Zusätzlich sei der Hofdienst verdoppelt worden. Dort seien nun zwei Sozialarbeiter dafür zuständig, den Außenkonsum zu verhindern. Burkart dazu: „Wir begrüßen all diese Maßnahmen, sind aber der Meinung, dass noch mehr getan werden muss für die Lebensqualität der AnwohnerInnen.“ So z.B. im Umgang mit der Prostitution. Stark machen wollen sich die Grünen beispielsweise für die Erweiterung des Sperrbezirkes oder eine verkehrspolitische Lösung, die den starken Ringverkehr, der abends und nachts durch Freier, die auf der Suche nach Prostituierten sind, verringern soll. In den nächsten Bau- und Verkehrsausschuss werden die Grünen einen entsprechenden Antrag einbringen. Als sinnvoll erachten die Grünen außerdem eine Entzerrung im Zusammenhang mit der Prostitution. Burkart dazu: „Wir setzen uns dafür ein, dass den Prostituierten ein anderer Platz angeboten wird, wo sie ihrem Gewerbe nachgehen können. Vorstellbar ist z.B. eine Lösung nach dem Vorbild des Kölner Drogenstrichs. Dort können sich drogenabhängige Frauen geschützt prostituieren.“ Dies löse nicht nur das Problem der AnwohnerInnen, die sich durch den starken Autoverkehr ums Drogenhilfezentrum verständlicherweise belästigt fühlen, sondern helfe auch den drogenabhängigen Frauen, die nicht mehr zu jedem Fahrer in den Wagen steigen müssten. Burkart dazu: „In Köln ist das Projekt sehr erfolgreich. Die meisten Frauen arbeiten inzwischen mit Kondomen und Vergewaltigungen und Misshandlungen sind eklatant zurückgegangen.“ Auch diesbezüglich werden die Grünen einen Antrag einbringen. Die Grünen setzen des Weiteren auf verstärkte Prävention und fordern eine stärkere Vernetzung und Förderung der Institutionen, die in diesem Bereich wertvolle Arbeit leisten.

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