Der Tarifkonflikt zwischen GDL und Saarbahn GmbH schnürt seit Wochen den ÖPNV in der Stadt ein. Familien, Schüler:innen sowie Berufspendelnde sind unmittelbar betroffen. Wer kein Auto hat, steht schlicht vor einem Problem. Die Grünen im Saarbrücker Stadtrat betonen allerdings, dass Schuldzuweisungen niemanden weiterbringen, sondern dass eine tragfähige Lösung gebraucht wird.
Was der Streik aber nach Ansicht der Grünen offengelegt hat, ist eine strukturelle Schwäche, die über den Tarifkonflikt hinausreicht, wenn der ÖPNV nicht verlässlich für die Menschen da ist.
Der heute veröffentlichte bundesweite Mobilitätscheck des Verkehrsclubs VCD, für den rund 7.500 Menschen Bus und Bahn in ihrer Region bewerteten, bestätigt dies. Ein attraktiver ÖPNV bedeutet den Befragten vor allem eines: gute Erreichbarkeit, ein dichtes Streckennetz, verlässliche Abfahrtszeiten.
“Wir haben es alle selbst erlebt, wenn die Saarbahn ausfällt. Genau in diesem Moment merkt jeder, dass Verlässlichkeit keine Zusatzoption im Nahverkehr ist, sondern die Grundausstattung. Die VCD-Befragung sagt dasselbe. Netz, Takt und Verlässlichkeit stehen ganz oben. Die Menschen sind bereit umzusteigen. Jetzt müssen Politik und Verkehrsbetriebe liefern: mehr Linien, mehr Takt, mehr Haltestellen dort, wo Menschen tatsächlich wohnen, arbeiten, einkaufen und ihre Kinder in die Kita bringen. Und ganz entscheidend: Wenn etwas schiefgeht, muss mir jemand sagen, wie ich trotzdem noch nach Hause komme. Genau deshalb brauchen wir eine Mobilitätsgarantie: Der ÖPNV muss so zuverlässig werden wie Wasser aus dem Hahn oder Strom aus der Steckdose“, erklärt der Fraktionsvorsitzende, Jose Ignacio Rodriguez Maicas.
Streik ist ein legitimes Mittel, und die Beschäftigten der Saarbahn GmbH leisten jeden Tag Schwerstarbeit, um die Ersatzkonzepte zu realisieren.
„Wir verlieren aber durch die Situation viele Menschen, die sich gerade erst an den ÖPNV gewagt haben“, so Rodriguez Maicas: „Ein Auto haben längst nicht alle, und die, die keins haben, trifft es am härtesten: Geringverdiener:innen, Jugendliche, Ältere. Jeder weitere Vertrauensverlust treibt Menschen zurück zum Auto. Wenn wir ernsthaft wollen, dass Bus und Bahn wachsen, dann müssen wir dafür sorgen, dass der öffentliche Verkehr hält, was er verspricht. Auch dann, wenn mal etwas schiefläuft. Das alles ist keine Utopie, sondern eine Frage von Prioritäten. Jeder Euro, der in ein echtes Angebot fließt statt in noch eine Autospur, zahlt sich für alle aus, ob Fahrgast oder nicht.“
Infos zum VCD-Mobilitätscheck:
Rund 7.500 Teilnehmende aus ganz Deutschland bewerteten von Anfang Mai bis Ende Juni Bus und Bahn in ihrer Region. Die wichtigsten Ergebnisse:
- Attraktiver ÖPNV: Für die Befragten bedeutet dies vor allem gute Erreichbarkeit und ein gutes Streckennetz (83,8 Prozent), einen dichten Takt und verlässliche Abfahrtszeiten. Erst danach folgen bezahlbare Ticketpreise (48,3 Prozent).
- Mehr Nutzung bei besserem Angebot: Mehr als 90 Prozent stimmten zu, dass mehr Menschen den ÖPNV häufiger nutzen würden, wenn das Angebot besser wäre. Selbst von denen, die selten oder nie mit Bus und Bahn fahren, würde rund die Hälfte bei besserem Angebot häufiger einsteigen.
- Kaum wahrgenommene Verbesserungen: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) haben in den letzten fünf Jahren keine Verbesserung des ÖPNV-Angebots gesehen, nur 12,7 Prozent nahmen Fortschritte wahr.
- Informationen bei Störungen: Bei Störungen erhalten nur 29,7 Prozent der Befragten verlässliche Informationen, und nur 28,2 Prozent bekommen alternative Verbindungen vorgeschlagen.
- Zufriedenheit und Nutzung: Je häufiger Menschen den ÖPNV nutzen, desto zufriedener sind sie: Von den täglichen Fahrgästen sind 44 Prozent zufrieden, von denen, die seltener als einmal im Monat fahren, nur noch 18,3 Prozent.
