Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert die mangelnden städtebaulichen Ambitionen der Landeshauptstadt beim geplanten Neubau der Sparkassen-Hauptstelle am Neumarkt. Im Rahmen des Aufstellungsbeschlusses für die Änderung des Bebauungsplans werde zwar die besondere Bedeutung des Standorts für das Stadtbild und die Saaruferkante hervorgehoben, konkrete Anforderungen an Klimaresilienz, Aufenthaltsqualität und nachhaltige Mobilität fehlten jedoch weitgehend.
„Wir sprechen hier über einen der wichtigsten Innenstadtstandorte Saarbrückens. Was an dieser Stelle entsteht, wird das Gesicht der Stadt für Jahrzehnte prägen. Umso unverständlicher ist es, dass die Landeshauptstadt ihre Möglichkeiten zur aktiven Steuerung der Entwicklung kaum nutzt“, erklären die Fraktionsvorsitzenden, Karin Burkart und José Ignacio Rodriguez Maicas.
Die Grünen betonen, dass sie keinen Verhinderungsplan fordern und die notwendige Weiterentwicklung des Standorts grundsätzlich anerkennen. Gerade deshalb müsse die Stadt aber klare Erwartungen an ein Projekt dieser Größenordnung formulieren.
„Ein Bebauungsplan dient nicht nur dazu, Baurecht zu schaffen. Er ist das zentrale Instrument, um öffentliche Interessen durchzusetzen und die Entwicklung einer Stadt zu gestalten. Die Landeshauptstadt verfügt mit dem Bebauungsplan und einem städtebaulichen Vertrag über wirksame Instrumente, um Anforderungen an Klimaanpassung, nachhaltige Mobilität, öffentliche Räume und Aufenthaltsqualität zu formulieren. Davon macht sie bislang viel zu wenig Gebrauch”, ergänzen Burkart und Rodriguez Maicas.
Aus Sicht der Grünen wäre es beispielsweise sinnvoll, bereits im Aufstellungsbeschluss die Ziele einer klimaresilienten Innenstadtentwicklung, die Reduzierung sommerlicher Hitzebelastung, die Sicherung öffentlicher Freiräume sowie die Förderung nachhaltiger Mobilität ausdrücklich zu verankern. Solche Leitziele würden weder den laufenden Architektenwettbewerb einschränken noch das Verfahren verzögern. Sie würden jedoch deutlich machen, welche Erwartungen die Stadt an die Entwicklung eines derart bedeutenden Standorts hat.
Für die Grünen steht die Debatte beispielhaft für grundsätzliche Probleme der Saarbrücker Stadtentwicklung. „Zu oft erleben wir, dass die Stadt ihre Rolle auf die Begleitung privater Vorhaben reduziert. Statt zu definieren, welche Qualitäten wir von wichtigen Projekten erwarten, wird vor allem darüber gesprochen, was angeblich alles nicht möglich ist. Saarbrücken braucht mehr Mut zur Gestaltung. Gerade an einem Schlüsselstandort wie dem Neumarkt muss der Anspruch sein, ein Projekt zu schaffen, das wirtschaftlich erfolgreich ist und gleichzeitig Maßstäbe für nachhaltige und lebenswerte Stadtentwicklung setzt”, so Burkart und Rodriguez Maicas abschließend.
Die Grünen kündigen an, sich im weiteren Verfahren für verbindliche ökologische und städtebauliche Qualitätsziele einzusetzen.
