Grüne Stadtratsfraktion kritisiert Vorgehen gegen stillende Mutter in der Europagalerie

Mit Unverständnis reagiert die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf den Vorfall in der Saarbrücker Europagalerie, bei dem eine Mutter nach Medienberichten von einem Sicherheitsdienst aufgefordert wurde, das Stillen ihres Kindes zu unterlassen beziehungsweise den Bereich zu verlassen.

„Dass eine Mutter, die ihr Kind stillt, aus einem öffentlichen Raum verwiesen wird, ist der eigentliche Skandal. Stillen ist ein natürlicher Vorgang und weder anstößig noch erklärungsbedürftig. Mütter und Kinder gehören selbstverständlich in die Mitte unserer Gesellschaft und müssen dort sichtbar sein dürfen”, erklärt die frauenpolitische Sprecherin, Patricia Schumann.

„Wir erleben hier eine gesellschaftliche Doppelmoral. Die weibliche Brust wird in Werbung, Medien und sozialen Netzwerken ständig zur Vermarktung eingesetzt. Wenn sie jedoch ihrer eigentlichen biologischen Funktion dient und ein Kind ernährt wird, reagieren manche Menschen mit Ablehnung. Das ist widersprüchlich und diskriminierend”, so Schumann weiter. 

Aus Sicht der Grünen trägt die Skandalisierung des Stillens dazu bei, Frauen zu beschämen und traditionelle Rollenbilder zu verfestigen. „Die Sexualisierung der weiblichen Brust führt dazu, dass Frauen immer wieder das Gefühl vermittelt wird, sie müssten sich für ihren Körper oder für die Versorgung ihres Kindes rechtfertigen. Dabei sollte die Botschaft genau andersherum lauten: Nicht das Stillen ist das Problem, sondern die Intoleranz gegenüber stillenden Müttern”, ergänzt Schumann.

Kritisch sieht Schumann auch Forderungen nach speziellen, abgeschirmten Bereichen für stillende Frauen. Schumann: „Jede Mutter soll selbst entscheiden können, ob sie einen geschützten Raum nutzen möchte. Problematisch wird es jedoch, wenn Stillen grundsätzlich in separate Bereiche verdrängt wird. Das sendet die falsche Botschaft, als müsse dieser völlig normale Vorgang versteckt werden. Stillende Mütter dürfen ihr Kind dort versorgen, wo es gerade notwendig ist.”

Die Grüne Stadtratsfraktion fordert mehr gesellschaftliche Akzeptanz und Sensibilität im Umgang mit Familien. „Wir müssen Müttern den Rücken stärken und klar machen: Ihr dürft eure Kinder stillen, wann und wo ihr Bedürfnis nach Nahrung befriedigt werden muss. Eine familienfreundliche Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie Eltern unterstützt – nicht dadurch, dass sie sie ausgrenzt oder beschämt“, so Schumann abschließend.

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