Europa zum Greifen nah

Ein Beitrag von José Ignacio Rodriguez Maicas

Wenn morgens die Sonne über der Saar aufgeht, erwacht etwas Besonderes: unsere grenzenlose Nachbarschaft. Menschen steigen in Bus und Bahn, radeln über die Mosel, fahren Richtung Lothringen oder nach Luxemburg – zur Arbeit, zum Lernen, zum Leben. Was für viele Menschen in Europa ein Wunschbild ist, ist für uns in der Landeshauptstadt Saarbrücken alltägliche Wirklichkeit: ein Kontinent, in dem Grenzen Brücken sind.

Das jüngste Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz zu den Grenzkontrollen gibt dieser Wirklichkeit nun Rückenwind. Es macht deutlich, dass sich pauschale, dauerhafte Grenzkontrollen an Binnengrenzen nicht einfach so durchsetzen lassen. Für uns Grüne ist dieses Urteil mehr als eine juristische Entscheidung. Es ist ein Aufatmen. Es ist ein Signal, das sagt: Das offene Europa darf nicht zur Ausnahme werden. Wir erleben jeden Tag, was zusammenwächst, wenn Grenzen durchlässig sind. Kolleg:innen, die in drei Ländern zu Hause sind, Freund:innen, die zwischen Saar und Département Moselle feiern, Kinder, die zweisprachig aufwachsen. Diese Lebendigkeit ist unser Kapital – wirtschaftlich, kulturell, menschlich. Saarbrücken als Eurometropole lebt vor, wie ein offenes Europa funktioniert – lebendig, verbunden, selbstverständlich.

Dieses Europa zu hegen und zu entwickeln, ist unsere Herzensangelegenheit. Das Urteil aus Koblenz ist dafür ein leuchtendes Zeichen: für ein Europa, das nicht abschottet, sondern aufschließt. Für ein Europa, das uns näher zusammenrücken lässt, und nicht auseinander.

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